Der närrischste aller VWA-Geschäftsführer

VWA Würzburg:

Der närrischste aller VWA-Geschäftsführer

150303 V.2 Akademie_01_2015-page-029Seit 1. November 2014 ist Ludwig Paul neuer Geschäftsführer der VWA Würzburg. Er übernahm die Aufgabe von Manfred Laugwitz, der in den Ruhestand trat (siehe AKADEMIE, 4-2014, S. 117).

„Wenn der Vater mit dem Sohne“ – so heißt ein Kinokassenschlager mit Heinz Rühmann von 1955. Damals ging es um ein Clowns-Kostüm und eine eher rührselige Geschichte aus der Welt des Zirkus’.

Heißt es hingegen bei den Pauls in Schweinfurt „Wenn der Vater mit dem Sohne“, wird es eher kar- nevalistisch, denn für Ludwig Paul – Senior wie Junior – ist die fünfte die liebste Jahreszeit. Der zweitjüngste der Paul-Sprösslinge trat viele Jahre mit Bruder, Schwester, Schwägerin und Vater als Gesangsgruppe auf. Nun ist er seit 20 Jahren Sitzungspräsident der legendären Schweinfurter Faschingsgesellschaft „Schwarze 11“. Verantwortlich fürs Programm, schreibt er alle Jahre jede Menge Büttenreden, steht selbst mit einem politischen Vortrag in der Bütt bei neun Prunksitzungen mit mehr als 5.500 Besuchern.

150903 PaulIm eher weniger närrischen Alltag ist Ludwig Paul seit 1991 beim Servicebetrieb Bau und Stadtgrün in Schweinfurt tätig. Nach seinem Abitur 1984 in Schweinfurt war er zum chemisch-technischen Assistenten ausgebildet worden. Er lehrte an einer privaten Fachschule, kam als Abfallberater zur Stadtverwaltung Schweinfurt. „Ab da hatte ich es immer mit Schülern und der Erwachsenenbildung zu tun, war viel mit Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt.“

2000 bis 2003 absolvierte er sein VWA-Studium zum Betriebswirt. Ein Zufall verhalf dazu: Paul wollte zu dem Zeitpunkt seiner Karriere neuen Schub geben. Als Techniker kam eine Weiterbildung, z. B. über die IHK, nicht infrage, weil er keine kaufmännische Ausbildung hatte. Dem Vollzeit-Studium stand entgegen, dass er Alleinverdiener war – mit drei kleinen Kindern. „Da wird es schon dünner mit den Möglichkeiten.“ Ein Zeitungsartikel verhieß die Lösung und die VWA die Chance auf den Karrieresprung: 2005 wurde Paul Leiter des Sachgebietes Abfallwirtschaft und ist seit 2006 zusätzlich Leiter der Verwaltung des Gesamtbetriebes und stellvertretender Betriebsleiter des städtischen Amtes mit über 200 Beschäftigten. „Ohne Abschluss wäre das nicht passiert.“

Jetzt also hat er den Hut für die VWA Würzburg auf. Dafür muss sich Paul kein Neuland erobern – seit zehn Jahren leitet er die VWA-Zweigstelle in Schweinfurt. Paul hat große Pläne: „Wir haben wirklich ein gutes Produkt. Nur müssen wir das viel energischer und überzeugender als bisher unter die Leute bringen.“ Dafür will er „ein bissle den Staub von den Regalen blasen“, der VWA ein moderneres Antlitz geben. Offensiver nach außen zu gehen, heiße auch, direkter als bisher auf die Studierenden zuzugehen.

Der Wettbewerb am Bildungsmarkt erfordere nach Pauls Ansicht, dass ein VWA-Geschäftsführer vor allem als Vertriebler wirkt. „Ich traf in dem Jahrzehnt in Schweinfurt keine Handvoll Absolventen, die nicht zufrieden waren.“ Für ihn ist daher die offensichtliche Lücke zwischen der ungewöhnlich großen Kundenzufriedenheit und der eher schleppenden Akquise neuer Interessenten für ein VWA-Studium ein Problem der Wahrnehmung. „Wir müssen den unbestreitbaren Mehrwert genauer definieren, klarer machen, welche Vorteile unsere Ausbildung gegenüber der der Mitbewerber hat.“ Er sehe dafür gute Chancen, weil der Bildungsmarkt einerseits sehr durchlässig, andererseits aber auch unübersichtlicher geworden sei. „Die Zielgruppe will aber Klarheit: ,Was ist das Beste für uns?’“ Das sei die entscheidende Frage.

Rainer Aschenbrenner