Das Kreuz mit dem Kreuz

Am 24. September haben wir die Wahl. Plakate machen sie uns aber nicht leichter, wie Prof. Dr. Frank Brettschneider feststellt (S. 88). Ein Blick in die Programme jener Parteien, die Wahlprognosen im neuen Bundestag sehen, schon:

Die CDU/CSU werde die berufliche Bildung weiter stärken und dafür mit Ländern, Kammern und Sozialpartnern das Modell der „Höheren Berufsbildung“ etablieren. „Damit eröffnen wir aufstiegsorientierten Menschen ohne Abitur und Studium neue attraktive Karriereperspektiven“ – etwas, was VWAen seit Jahrzehnten leisten.

Bildung ist der erste Themenblock im SPD-Wahlprogramm: Man wolle „gleiche Chancen für alle“. Daher solle Bildung gebührenfrei sei, „von der Kita über die Ausbildung und das Erststudium bis zum Master und zur Meister-/Technikerprüfung“. Wie dies zu finanzieren ist, bleibt offen. Zumindest plädiert man für frühzeitigere Berufs- und Studienorientierung in den Schulen als bisher.

Die LINKE würde das Kooperationsverbot in Sachen Bildung zwischen Bund und Ländern aufheben. Erwachsenenbildung solle durch einen Weiterbildungsfonds und gesetzlich geregelte Lohnfortzahlungen bei Fortbildungsteilzeit gestärkt werden. Zudem wird eine „solidarische Umlagefinanzierung, die alle Betriebe in die Pflicht nimmt, damit ausreichend duale und qualitativ hochwertige Ausbildungsplätze geschaffen werden“, angestrebt. Die „Bildungsfreistellung für alle Beschäftigten“ – nicht nur für die berufliche Weiterbildung – solle gesetzlich gesichert werden. Duale Studiengänge sollen öffentlich-rechtlich akkreditiert werden und zu gleichwertigen Abschlüssen führen. Auskünfte zur Finanzierung werden auch hier nicht erteilt.

B 90/Die Grünen setzen einen sehr engen Fokus: Sie wollen mit „BildungsZeit Plus“ – einem Mix aus Zuschuss und Darlehen – sichern, dass „Menschen, die heute noch viel zu selten an Weiterbildungen oder dem Nachholen von Schul- oder Berufsabschlüssen teilnehmen, die Zeit und die Kosten dafür aufbringen können“.

„Weltbeste Bildung“ ist das Hauptthema des FDP-Wahlprogramms. Man fordere daher  deutschlandweit einheitliche Bildungsstandards und weniger Bildungsaufgaben bei den Ländern. Man setze sich „für eine Aufwertung und Ausweitung der dualen Ausbildung“ ein. Das meine v. a. eine Digitalisierung des Unterrichts, weil sich der Arbeitsalltag „durchgängig in der digitalen Sphäre“ abspiele. Die FDP wolle die duale Ausbildung und die Abschlüsse der höheren beruflichen Bildung (z. B. Meister, Fach- und Betriebswirte) stärken.

Die AfD fordert „Meister statt Master“. Bologna habe „zu einer Verschulung des Studiums, zu Überregulierung und Bürokratie“ geführt, die akademische Freiheit beschnitten, einen Studienplatzwechsel erschwert. Die Modularisierung des Studiums und die Akkreditierungsagenturen sollen abgeschafft werden. Duale Studiengänge bleiben unerwähnt.

In der Kürze liege die Würze, heißt es. Mag sein; auch in diesem Fall. Aber selbst sind Frau und Mann, Wählerin und Wähler. Sich kundig machen ist erste Bürgerpflicht. Schließlich gilt auch hier: Drum prüfe, wer sich bindet, ob sich die rechte Partei für ihn findet.

Autoren:

  • Universitätsprofessor em. Dr. Alfred Kötzle

    Universitätsprofessor em. Dr. Afred Kötzle ist seit 2010 Chefredakteur der Zeitschrift AKADEMIE und Studienleiter der VWA Ostbrandenburg. Seine Vita finden Sie hier!