Das Wort zum Abschied

Ein Letzt-Editorial zu verfassen, gehört nicht zu den erfreulichen Momenten im Pflichtenheft des Präsidenten des Bundesverbandes der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien. Nach 62 Jahren wird dieses Heft das letzte in der langen Reihe von – leicht gerundet – 250 Heften sein.

Wenn man den Reigen der 62 Jahre aus der Sicht der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien Revue passieren lässt, wird klar, wie gut die Zeitschrift konzeptionell in den Rahmen der VWA-Ausbildung hineinpasste (und immer noch-​ hineinpassen würde). Es war immer das Ziel, die Verwaltungs- und Wirtschaftsdiplominhaber auf einem Niveau auszubilden, das dem universitären Anspruch angenähert war (und ist). Das dokumentiert(e) sich in der Personalauswahl des Lehrkörpers, das beinhalten die Curricula. Es war dies die Erfolgsbedingung für die Qualität der Absolventen und damit Erfolgsbedingung für deren beruflichen Aufstieg.

Wenn das Konzept der Akademien mit ihrem Ausbildungsniveau nach außen transportiert werden soll, bedarf es dafür u. a. eines Mediums, das diesen Anspruch gewissermaßen „materialisert“. Es war deshalb vor 62 Jahren eine gute und richtige Entscheidung, die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien durch eine wissenschaftliche Zeitung zu repräsentieren. Sie war zugleich Klammer für das Selbstverständnis der Akademien. Inhaltlich war die erste Adressatengruppe die Studierendenschaft, für die die Texte konzipiert waren und die den Studierenden so verdeutlichten, dass das Ausbildungsniveau auch auf das Selbststudium anspruchsvoller wissenschaftlicher Texte gerichtet war (und ist).

Warum wird die Zeitschrift dann eingestellt? Dahinter stehen die Härten der Ökonomie. Als die Zeitschrift begründet wurde, waren die Akademien fast Weiterbildungsmonopolisten für die verwaltungs- und betriebswissenschaftlichen Fächer. Fachhochschulen für den öffentlichen Dienst gab es nicht, die Universitäten hatten keinen Weiterbildungsauftrag, einen nennenswerten Sektor privater Hochschulen gab es nicht; der Hochschulzugang erfolgte – von raren Dispensen abgesehen – nur über das Abitur. Ein berufsbegleitendes Studium war unbekannt. Gestufte Studiengänge nach Maßgabe von „Bologna“ existierten nicht. All das hat sich – und damit die Lage der Akademien auf dem Bildungsmarkt – radikal verändert.

„Radikal“ ist im Wortsinn gemeint: es geht an die Wurzeln, die die Pflanze nähren. Das Sich-Behaupten auf einem Bildungsmarkt, auf dem sich heute eine bisher nicht gekannte Vielzahl von Anbietern versucht, ist für die Akademien zu einem auch ökonomisch schwie-rigen Problem geworden. Ausgabepositionen müssen auf den Prüfstand gestellt werden. Eine Zeitschrift, die die Mitgliedsakademien finanzieren, ist eine Finanzlast, über die unter solchen Bedingungen nachgedacht werden muss. Die Mitglieder haben beschlossen, diese Last nicht mehr tragen zu wollen. Sie haben sich diese Entscheidung wahrlich nicht leichtgemacht, ökonomisch schien sie ihnen „alternativlos“.

Mir bleibt als Präsident zum (nicht guten) Schluss nur, dem (letzten) Chefredakteur Prof. Dr. Alfred Kötzle namens des Bundesverbandes sehr herzlich zu danken. Er hat die Zeitschrift auf einem kontinuierlich hohen Niveau gehalten, das dem skizzierten Anspruch ge-recht geworden ist. Es ist keine leichte Aufgabe, immer wieder Autoren zu motivieren, zu der Zeitschrift termingerecht (!) beizutragen. Der Dank des Verbandes gilt auch dem Chef vom Dienst der letzten Jahre, Herrn Rainer Aschenbrenner, der sich um das modernisierte Layout der letzten Jahre sehr erfolgreich gekümmert hat.

 

 

 

 

Prof. Dr. Wolfgang Löwer
Präsident des Bundesverbandes Deutscher Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademien e. V. (VWA)

Autoren:

  • Prof. Dr. Wolfgang Löwer

    Prof. Dr. Wolfgang Löwer ist Professor am Fachbereich Rechtswissenschaften am Institut für Öffentliches Recht in der Abteilung Wissenschaftsrecht an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität (Bonn) und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademien e. V. (VWA).