Was die Neuen bewegen wollen

Prof. Dr. Dirk Looschelder und Beigeordneter Uwe Lübking sind aus dem Vorstand des Bundesverbandes ausgeschieden. Auf der Jahreshauptversamlung 2015 im September in Frankfurt (Oder) wurden als Nachfolger für die laufende Wahlperiode die vom Vorstand vorgeschlagenen Kandidaten Landrat Bernhard Bramlage (VWA Leer und BAO Leer) und Prof. Dr. Jörn Littkemann (VWA Arnsberg) gewählt. Was sie sich für die Gremienarbeit vorgenommen haben, erläutern sie im AKADEMIE-Kompaktinterview:

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Foto: Landkreis Leer

Bernhard Bramlage (Jahrgang 1949) wurde in Friesoythe geboren, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Er ist Jurist und wohnt in Leer. Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität Bielefeld, war anschließend Referendar in Konstanz (Baden-Württemberg). Zunächst war er Rechts-amtsleiter, dann Stadtrat (Wahlbeamter) und später Stadtdirektor in Delmenhorst. In gleicher Funktion diente er in Northeim, bevor er zunächst Erster Kreisrat beim Landkreis Leer und dann 2001 Landrat wurde.

1. Rund 20.000 Studierende sind in den VWAen/BAen eingeschrieben. Glauben Sie, für sie ganz direkt etwas bewegen zu können? Und wenn ja, was?
Ich denke, dass ich als Mitglied des VWA-Bundesvorstandes gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen viel bewirken kann. Wir sehen, dass -nebenberufliche Studienangebote und die Studienangebote der VWAen/BAen auf Interesse stoßen. Dieses Interesse an nebenberuflichen und/oder dualen Studienangeboten können wir verstärken. Bildung gehört zum Leben dazu und ist ein elementarer Bestandteil der beruflichen Entwicklung. Das sehen viele junge Menschen; zunehmend aber auch Menschen, die schon länger in ihrer beruflichen Tätigkeit verortet sind und neue Herausforderungen suchen.

Direkt etwas bewegen können wir dadurch, dass wir bildungsinteressierte Menschen noch mehr begeistern, neben ihrer beruflichen Tätigkeit zu studieren oder aber junge Menschen nach dem Abitur direkt darin unterstützen, ein duales Studium zu beginnen, d. h. Ausbildung und Berufsarbeit parallel zu absolvieren. Diese Begeisterung wecken wir auch dadurch, dass unsere Angebote attraktiv sind, dass sie offen und klar sind und dass wir mit einer gehörigen Portion Qualität in der Lehre überzeugen. Dabei darf unser Angebot nicht beliebig sein, sondern muss sich hervorheben und von anderen auch kommerziellen Angeboten abgrenzen.

2. An mehr als 100 Standorten finden sich VWAen/BAen und deren Mitarbeiter. Was dürfen sie von Ihnen erwarten?
Die Beschäftigten der VWAen/BAen können von mir als Mitglied des Bundesvorstandes erwarten, dass ich in meiner Funktion beständig an der Weiterentwicklung unseres Bildungsangebotes arbeite. Und das mit viel Augenmaß für das Machbare und für die Chancen, die sich uns bieten, wenn wir offensiv, kreativ und mit viel Sachverstand an diese Arbeit herangehen. Ich sehe, dass die Arbeit im Bundesvorstand mit den Kollegen und Kolleginnen eng zu verknüpfen ist mit der Arbeit an der Basis, d. h. in den VWAen/BAen. Dafür will ich mich einsetzen.

3. Schließlich: Ein großes Potenzial sind die über 200.000 Alumni der VWAen/BAen bundes-weit. Welche Idee haben Sie, diesen enormen Erfahrungsschatz, dieses Netzwerk für die VWAen/BAen nutzbar zu machen?
Für die Alumni-Arbeit müssen wir alle mehr tun. Sie haben recht, es ist ein großer Erfahrungsschatz, der nicht in allen VWAen/BAen intensiv, d. h. gewinnbringend für die Weiterentwicklung der Bildungsangebote, genutzt wird. Das hängt sicherlich nicht damit zusammen, dass wir die Chancen nicht sehen, sondern eher damit, dass diese Arbeit neben der täglichen Aufgabenbewältigung nicht immer leistbar ist.
Was brauchen wir dafür?
Ein gutes tragfähiges Konzept, die Unterstützung aller Ehrenamtlichen, die bereits in der Alumni-Arbeit tätig sind, und einen konkreten Ansprechpartner bundesweit, der diese Alumni-Arbeit koordiniert. Sicherlich brauchen wir auch zunächst eine Standortanalyse, wo wir insgesamt – bundesweit betrachtet – mit der Alumni-Arbeit stehen und welche Chancen noch brachliegen. Dafür werde ich mich einsetzen.


 

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Foto: Rainer Aschenbrenner

Prof. Dr. Jörn Littkemann (Jahrgang 1964) wurde in Kiel geboren. Er studierte Betriebswirtschaftslehre an der -Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. 1997 wurde er zum Dr. sc. pol. an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel promoviert. 2003 folgte die Habilitation an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Seit 2003 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Unternehmensrechnung und Controlling an der FernUniversität in Hagen und seit 2015 Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft. Seit 2005 ist er Studienleiter der VWA Arnsberg.

1. Rund 20.000 Studierende sind in den VWAen/BAen eingeschrieben. Glauben Sie, für sie ganz direkt etwas bewegen zu können? Und wenn ja, was?
Ich sehe es in der nahen Zukunft als vorrangige Aufgabe des Bundesvorstands an, zu versuchen, den seit mehreren Jahren insgesamt anhaltenden Rückgang der Studierendenzahlen aufzuhalten und den Akademien Hilfestellungen an die Hand zu geben, um wieder in die Erfolgsspur zurückzukommen. Dazu sollte kurzfristig zunächst eine umfangreiche Ursachenanalyse erfolgen, auf deren Basis konkrete Maßnahmen und Handlungsempfehlungen zur Studierendengewinnung – neben den bereits in den verschiedenen Gremien erarbeiteten Marketingkonzepten – entwickelt werden können. Dies kann jedoch nur in Zusammenarbeit mit den einzelnen Akademien, die ihre spezifische Situation vor Ort am besten kennen, gelingen. Allerdings gibt es auch unabhängig von der speziellen Situation der Akademien vor Ort Parameter des Studierendenrückgangs, die nahezu bundesweit eine maßgebende Rolle spielen. Einer dieser Parameter ist, dass sich die Akademien (immer) noch zu wenig in den mittlerweile -gängigen, von den Hochschulen vorrangig be-triebenen Bachelor- und Masterstudiengängen engagieren. Die Akademien sollten hier als gleichberechtigte Partnerinnen der Hochschulen auftreten und ihre Stärken in der Aus- und Weiterbildung in Theorie und Praxis in die Kooperationen mit den beteiligten Hochschulen einbringen. Zudem müssen die besonderen Bedürfnisse der VWA-Studierenden in derartig gestalteten, kooperativen Studiengangsmodellen Berücksichtigung finden.

2. An mehr als 100 Standorten finden sich VWAen/BAen und deren Mitarbeiter. Was dürfen sie von Ihnen erwarten?
Neben der Studienleitung und der Geschäftsführung sind die Mitarbeiter/innen der Akademien vor Ort die zentralen Kräfte, die für den Erfolg an den einzelnen Standorten maßgeblich verantwortlich sind. Ich hoffe, dass sich möglichst viele Akademien der Zielsetzung der Studierenden(rück-)gewinnung verschreiben und sich an dem damit verbundenen Prozess der Entwicklung von Gegenstrategien und daraus abzuleitenden konkreten Maßnahmen zur Studierendengewinnung beteiligen, indem sie Anregungen und Ideen sowie praktische Gestaltungsvorschläge liefern. Dies kann jedoch nur im Mit- und nicht im Gegeneinander geschehen, wobei der Bundesvorstand hier die Moderatorenrolle übernehmen und den Prozess auf diesem Wege vorantreiben kann. Darüber hinaus sind Sitzungen auf Geschäftsführer/innen- und /oder Studienleiter/innen-Ebene hilfreich, um sich auszutauschen und über „erfolgreiche Umsetzungen“ im Sinne eines Benchmarkings zu berichten.

3. Schließlich: Ein großes Potenzial sind die über 200.000 Alumni der VWAen/BAen bundes-weit. Welche Idee haben Sie, diesen enormen Erfahrungsschatz, dieses Netzwerk für die VWAen/BAen nutzbar zu machen?
Die Zahl von über 200.000 Alumni ist ohne Zweifel beeindruckend und stellt ein großes Potenzial für die derzeitigen Akademien dar. So ist es nicht zuletzt für die Zukunft der Akademien wichtig, dass die Alumni laufend über die aktuellen Entwicklungen vor Ort informiert werden. Dies kann zum einen über die Zeitschrift AKADEMIE, aber zum anderen auch über elektronische Newsletter oder den Zugang zu einem eigens eingerichteten, zentralen Intranet geschehen. Zudem können die Alumni als Botschafter der VWA-Philosophie fungieren, indem sie Gastvorträge an den Akademien vor Ort halten, ihre Karrierewege darlegen, ihre Firmen vorstellen oder aber die Karrieremöglichkeiten mit den aktuellen Studierenden diskutieren. Zielsetzung der Maßnahmen muss es sein, das Netzwerk der Alumni noch stärker als bisher zu aktivieren, damit diese ihre Tätigkeiten und Erfahrungen in die Neuausrichtung der Akademien einbringen können.

 

 

 

Autoren:

  • Rainer Aschenbrenner

    Rainer Aschenbrenner (Jahrgang 1961) studierte an der Karl-Marx-Universität in Leipzig und ist Diplom-Journalist. Seit 1998 arbeitet er als freiberuflicher Journalist, PR-Berater und Medienmanager. Seit 2010 ist der Chef vom Dienst (CvD) der „AKADEMIE“. Foto: Livia Schlling / Curcuma Medien