Effizienz und Effektivität der digitalen Verwaltung: Den „richtigen“ Weg im E-Government finden

Nicht nur für Unternehmen, sondern auch für alle Bereiche der Verwaltung ist der Weg in die digitale Zukunft herausfordernd. Als Beleg für die unzureichende Vorbereitung auf die Zukunft verwies im Vorjahr der Branchenverband bitkom darauf, dass es in Deutschland keine Stadt gebe, die internationalen Vorbildcharakter für die urbane Digitalisierung der Zukunft habe, was u. a. mit dem Fehlen im „Smart City Ranking“ der TU Wien und der TU Delft belegt wurde. Anlass für den Verband, unter www.digitalestadt.org zu einem Wettbewerb aufzurufen. Wie aber gestaltet sich die digitale, innovative und intelligente Stadt von Morgen?

Die öffentliche Verwaltung ist äußerst vielseitig, ihre Leistungspalette reicht von der Abfallbeseitigung bis zur Inhaftierung von Straftätern. Dieses breite Spektrum macht es schwierig, ein einheitliches Verständnis für die Umsetzung des Digitalisierungsfortschritts in allen Bereichen der öffentlichen Verwaltung zu entwickeln. Für die Umsetzung von Projekten hat sich bewährt, klare Priorisierung in den Kernbereichen der Verwaltungszweige zu fordern. Es ist ein Unterschied, ob die Ordnungs-, Leistungs-, Wirtschafts-, Organisations- oder politische Verwaltung gefordert ist, digitale Anwendungen mit spürbarer Optimierung zu entwickeln. Denn zu einer „Smart City“ bzw. einer „intelligenten Stadt“ gehören viele Elemente, die digital miteinander verbunden sind und zu einem besseren Lebensraum beitragen – von den öffentlichen Transportmitteln über Schulen bis hin zu öffentlichen Ämtern und Energiesystemen. Hier ist jeder Teil der Verwaltung gefordert, als vorrangiges Ziel die Erfüllung der Aufgaben zu beschreiben, die einem öffentlichen Bedürfnis entsprechen und mit neuem digitalen Ansatz idealerweise kostengünstiger und ergebnisorientierter anzubieten. Welche Fachverfahren dabei vorrangig digitalisiert werden sollen, hängt von der Gewichtung ab, mit der die Aufgaben digital gestalten werden sollen. Der Handlungsspielraum der Verwaltung hängt wiederum von der Ausgestaltung politischer Beschlüsse der Legislative ab. Gefordert ist die Politik, durch Beschlüsse Eckdaten zur Realisierung der smarten Stadt zu schaffen.

Für ihren „Smart City Index“ haben z. B. die Roland- Berger-Experten die wichtigsten Bausteine einer Smart City-Strategie in die drei Hauptbereiche Anwendungsfelder, strategische Planung und IT-Infrastruktur unterteilt und zugleich eine Vielzahl von Einzelaspekten ausgearbeitet. Anwendungsfelder sind neben der öffentlichen Verwaltung die Bereiche Gesundheit, Bildung, Energie und Umwelt, Gebäude sowie Mobilität. Unternehmen, aber auch Bürgerinnen und Bürger erfahren ihre Beziehung zur Verwaltung unterschiedlich. Gemeinsamer Nenner ist, dass alle mit der öffentlichen Verwaltung Kontakt haben. „Öffentlich“ bedeutet „allen zugänglich“, „für alle bestimmt“. Welche Leistungen dabei in Anspruch genommen werden, bleibt unbestimmt. Zugleich lassen sich digitale Projekte in der Regel nicht nur durch die entstehenden Umsetzungskosten „bepreisen“. Interne Prozessoptimierung, Bürokratiekostensenkung und besserer Zugang zu den wichtigsten Verwaltungsleistungen sind Teil einer Bewertung, die in einem Kriterienkatalog gewichtet werden sollen. Dann erst ist zu entscheiden, mit welcher Priorität die digitale Umsetzung sowohl den gesetzlich vorgegebenen Anforderungen, aber auch dem konkreten Bedarf entspricht. Da die Finanzierung vorwiegend durch Steuern und Abgaben erfolgt, folgt sie keiner marktbestimmten Preisbildung. Und letztlich ist die Organisation der digitalen Projekte in Struktur und Kultur stark vom Bürokratiemodell geprägt, dessen Aufgabe es auch ist, für die notwendige Rechtssicherheit zu sorgen.

Autoren:

  • Elisabeth Slapio

    Elisabeth Slapio ist Geschäftsführerin, Geschäftsbereich Innovation und Umwelt, der Industrie- und Handelskammer zu Köln. Foto: IHK Köln