MBA in Deutschland – praxisnah und international

Ausgabe_1_2010_014Der MBA (Master of Business Administration) erweist sich in Deutschland wie international als Erfolgsmodell. Was Interessenten alles beachten sollten, stellt der Kenner der Szene, Detlev Kran, im Interview mit der AKADEMIE heraus:

Als Autor des MBA-Guide haben Sie intensiven Kontakt zu den fast 200 Anbietern im deutsch-sprachigen Raum, wie sieht der Markt aus?

Der Master of Business Administration (MBA) hat nicht nur in Deutschland eine rasante Entwicklung hinter sich. Waren es vor 15 Jahren gerade drei bis vier Anbieter in Deutschland mit einer Handvoll Studenten, sind es mittlerweile über 130 Anbieter mit über 275 Programmen. Rund 6.000 Studienplätze stehen zur Verfügung. Weltweit gibt es schätzungsweise 1.500 Anbieter mit rund 5.000 Programmen. Allein in den USA wird die Zahl der MBA-Studenten auf rund 300.000 geschätzt, in Großbritannien auf 35.000.

Oft gefragt: Welches ist das beste MBA-Programm? Haben Sie eine Empfehlung?

Beim MBA ist es ähnlich wie in der Automobilindustrie. So lässt den Familienvater mit zwei Kindern ein Porsche Carrera oder Bentley zwar nicht kalt, aber für seinen Alltag ist dann eben ein praktischer Kombi das bessere Auto. Das „Beste“ ist also immer nur relativ und richtet sich vor allem nach den eigenen Bedürfnissen. Und genauso ist es auch beim MBA. In den Zeitungen lesen Sie immer nur von den 50 oder 100 Top-Eliteschulen und deren Vollzeitprogrammen, aber weltweit gibt es zahlreiche MBA-Anbieter und geschätzt 75% aller MBA-Studierenden sind in Teilzeit-, Executive- und Fernstudienprogrammen eingeschrieben, nicht in den Vollzeitprogrammen.

Offensichtlich finden immer mehr Studierende Gefallen an diesem Abschluss. Was sind die Zulassungsbedingungen? Worauf sollte man achten?

In der Regel sind es ein erster Hochschulabschluss, gute Noten aus dem ersten Hochschulstudium, Zulassung- und Sprachtests. Doch zuerst kommt die Selbstprüfung, was will man erreichen? Wichtig ist, für sich festzustellen, wo man Defizite hat und wie mit einem MBA diese Defizite beseitigt werden können. Auf jeden Fall sollte jeder darauf achten, ob seine gewünschten Schwerpunkte von der jeweiligen Schule abgedeckt werden. Englischkenntnisse, und die Vermittlung von fachlichen wie überfachlichen Qualifikationen sind für die Führungskräfte heute entscheidend. Dann schaut man sich die üblichen Ranglisten an und besorgt sich die jeweiligen Hochglanzbroschüren. Auch die Gutachten auf den Webseiten der Akkreditierungsagenturen geben eine gute Hilfestellung.

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Haben auch Studierende ohne Hochschulabschluss eine Chance, einen MBA zu machen?

Mittlerweile ja. Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein ermöglichen, dass auch Studierende ohne ersten Hochschulabschluss – unter besondern Bedingungen – einen MBA-Studiengang besuchen können. In den anderen Bundesländern sind die Regularien, dass nur ein erster Hochschulabschluss zu einem Master befähigt.

Qualifizieren die Teilzeitprogramme genauso gut für Managementpositionen wie die Vollzeitprogramme der Elitehochschulen?

Wir haben es hier mit völlig unterschiedlichen Zielgruppen zu tun. Während Vollzeitprogramme von Karrierewechslern im Alter von 28 bis 30 Jahren mit geringer Berufserfahrung besucht werden, finden sich in den Teilzeitprogrammen die ca. 35-Jährigen mit durchschnittlich sieben Jahren Berufserfahrung. Diese wollen aus einer Fachlaufbahn heraus ihre Karriere weiterentwickeln. Diese zweite Gruppe wird weltweit auch durch eher regional aufgestellte Anbieter bedient, so die Vergleichsdaten aus den USA oder Großbritannien.

Bereits innerhalb der ersten drei Jahre nach Abschluss des Studiums verbesserten zwei Drittel ihr Gehalt um mindestens eine Gehaltsstufe.

Was halten denn die Unternehmen von einem MBA? In der Presse liest man immer Jubelmeldungen über 50% höhere Gehälter nach dem MBA.

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Nun ja, der MBA-Markt lebt auch von einem guten Marketing. Grundsätzlich gilt: Ein MBA-Abschluss ist keine Garantie für einen beruflichen Aufstieg. Die persönliche Entwicklung, von der die meisten der MBA-Absolventen berichten, kann jedoch viel mehr wert sein als ein höherer Gehaltsscheck. Sicherlich gibt es nach einem MBA häufig gute Gehaltssteigerungen. Untersuchungen zeigen, dass viele MBA-Absolventen die Beförderungstreppe hinauffallen, im bisherigen Unternehmen oder nach einem Unternehmenswechsel. Diese neue Position ist natürlich mit einem höheren Gehalt verbunden. Ein MBA kann sich zwar durchaus auch noch im fortgeschrittenen Alter lohnen, doch haben Einsteiger von 29 bis 35 Jahren den größten Karriereschub zu erwarten. Immerhin rücken sie im Mittel um mindestens eine Funktionsebene auf und steigern so ihr jeweiliges Einkommen gegenüber der Zeit vor dem MBA.

Und wo finden die MBA-Absolventen in der Regel einen Job?

Die besten Jobchancen haben Vollzeit-MBA-Absolventen in der Consulting-Branche und im Finanzbereich, da beide stark international ausgerichtet sind und daher wissen, was sich hinter einem MBA-Abschluss verbirgt. Im Teilzeitbereich finden sich viele Studierende auch aus dem KMU-Bereich. Eine Untersuchung der FHW Berlin unter MBA-Absolventen zeigt: Eine Gehaltssteigerung kann aus nahezu allen Gehaltsstufen heraus realisiert werden. Bereits innerhalb der ersten drei Jahre nach Abschluss des Studiums verbesserten zwei Drittel der Teilnehmer ihr Gehalt um mindestens eine Gehaltsstufe. Von diesen konnten sich wiederum gut 40% um zwei oder drei Stufen verbessern. Die Einstufung der Bruttojahreseinkommen aller Absolventen von Fulltime-MBA-Studiengängen spiegelt dementsprechend eine deutliche Verschiebung in der Gehaltsstruktur wider. 80% der MBA-Absolventen geben eine positive Veränderung ihres Einflussbereichs an. Neben einer insgesamt positiven Veränderung des Tätigkeitsbereichs war ein Zuwachs an strategischer Verantwortung die am häufigsten genannte Veränderung. Eine höhere Budget- oder Personalverantwortung trägt rund die Hälfte aller MBA-Absolventen.

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Die üblichen MBA-Rankings sind im letzten Jahr zunehmend in Misskredit geraten. Wie findet man heraus, welche Schulen das beste MBA-Programm bieten?

Gegenfrage, gibt es überhaupt des „beste“ MBA-Programm? Wir haben einmal alle gängigen Rankings ausgewertet. 200 Programme sind herausgekommen, die angeblich die 30 besten sind. Wer bei Rankings nicht ganz genau die Kategorien betrachtet und nur auf die Listenplätze achtet, wird zweiter Sieger sein. Denn es ist ganz entscheidend, ob etwa Professoren oder Studierende oder Unternehmen gefragt werden. Es gibt kein Ranking, das alle Aspekte abdeckt. Das ausführlichste für den internationalen/europäischen Bereich ist dabei aber sicherlich das der Financial Times und des Economist. In den USA würde ich die Business Week und das Wall Street Journal für einen ersten Einstieg empfehlen. In Deutschland gibt es keine Rankings der MBA-Programme.

In den Zeitungen liest man immer von Gehältern ab 100.000 Euro aufwärts. Lohnt sich der MBA?

Die Wirtschaftskrise spielt wie andere Zufälle für das Berufsleben von MBA-Absolventen eine wichtige Rolle. Gerade diejenigen, die in Krisenzeiten auf den Arbeitsmarkt drängen, müssen mit empfindlichen Einbußen rechnen, so Stanford-Ökonom Paul Oyer in seiner Umfrage mit 35 MBA-Jahrgängen an der kalifornischen Stanford University. Gerade wenn die Börsen in Turbolenzen sind, müssen MBA-Absolventen mit signifikant tieferen Lebenseinkommen rechnen. Der Grund: Die MBA-Absolventen finden in Krisenzeiten weniger Arbeit in der lukrativen Finanzbranche und beginnen stattdessen in anderen Branchen zu arbeiten. In Zahlen: Wer das Pech hatte, in Zeiten einer Finanz- und Börsenkrise abzuschließen, der musste über das ganze Arbeitsleben gesehen mit einem 1,5 – 5 Mio. US-Dollar niedrigeren Einkommen rechnen als jemand, der in guten Zeiten graduierte.

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Und Ihr persönliches Fazit?

Wenn man einen persönlichen „Businessplan“ entwickelt hat und sich sicher ist, dass der MBA das Richtige ist, sollte man damit beginnen. Der MBA ist für drei Dinge gut: Erstens, das Fachwissen wird weiterentwickelt. Zweitens werden moderne Managementtechniken vermittelt und die Soft Skills geschärft; und drittens erhält man Zugang zu einem Netzwerk von Gleichgesinnten. Was man dann daraus macht, ist eine Frage der eigenen Persönlichkeit. Nachdem mittlerweile aber viele D-A-CH-Hochschulen gute MBA-Programme auflegen, wächst das Bewusstsein bei den Unternehmen, dass ein MBA mehr ist als ein Wirtschaftsaufbaustudium. Nur die guten und weiterbildungswilligen Mitarbeiter nehmen die Last eines solchen Studiums auf sich.

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Zum Autor:

Detlev Kran ist Bildungsberater, er unterstützt Hochschulen bei Akkreditierungsverfahren und ist Autor des jährlich erscheinenden MBA-Guide.

Nachfragen können Sie stellen an

info@educationconsult.de oder

Telefon: +49 2232 680111

Literatur

(Deutsch)

Der MBA-Guide 2010 (broschiert), 420 S., -Verlag: Luchterhand; Auflage: 9 (November 2010), Sprache: Deutsch, ISBN-10: 3472076054 ISBN-13: 978-3472076056

Das MBA-Studium 2010 (broschiert), 296 S. Verlag: Staufenbiel; Auflage: 10. (Januar 2010) ISBN-10: 3922132367 ISBN-13: 978-3922132363

MBA für Executives (gebundene Ausgabe), 256 S., Verlag: Frankfurter Allgemeine Buch; Auflage: 1 (Mai 2004), Sprache: Deutsch, ISBN-10: 389981035X, ISBN-13: 978-3899810356

(Englisch)

Peterson‘s MBA Programs (gebundene Ausgabe), 552 S., Verlag: Peterson‘s Guides (Oktober 2009), Sprache: Englisch, ISBN-10: 0768924111, ISBN-13: 978-0768924114

Which MBA?: Making the Right Choice of Executive Education (Economist Intelligence Unit) (Taschenbuch), Financial Times Prentice Hall; Auflage: 20Rev Ed (27. September 2009), Sprache: Englisch ISBN-10: 0273714414 ISBN-13: 978-0273714415

How to Get Into the Top MBA Programs (Prentice Hall Press) (Taschenbuch), 672 S., Verlag: Prentice Hall Press; Auflage: 4 (8. August 2008), Sprache: Englisch, ISBN-10: 0735204233, ISBN-13: 978-0735204232

Autoren:

  • Detlev Kran Dipl.-Päd. MBA (USA)