Nachhaltigkeits-Reporting

150303 V.2 Akademie_01_2015-page-0051. Einleitung

Dieser Beitrag schließt an den Artikel Nachhaltigkeitsmanagement aus AKADEMIE 1-2011 an (Hentze, 2011) und verfolgt das Ziel, dem Leser einen ersten Überblick zu führenden Standards des Nachhaltigkeits-Reportings zu geben.

Beim Nachhaltigkeits-Reporting, das ein bedeutender Bestandteil des Nachhaltigkeitsmanagements ist, berichten Unternehmen zu ihren Vorhaben und Leistungen sowie zu zugehörigen Erwartungen verschiedener Anspruchsgruppen in den drei Bereichen Ökonomie, Soziales und Ökologie. Ein entsprechendes Geschäftsmodell umfasst die Auswahl und Priorisierung von Zielen, Strategien, Prozessen und Maßnahmen zu den relevanten ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlich-sozialen Handlungsfeldern. Es stellt einen wertvollen Grundstein sozialer Marktwirtschaft dar. Zugehörige Managementansätze müssen die Interessen und Erwartungen interner wie externer Stakeholder (Freeman, 2010) sowohl aus strategischen als auch aus normativen Gründen einbeziehen (Hentze/Thies, 2014: 11 – 27) und die Legitimation des eigenen unternehmerischen Handelns kritisch reflektieren (Hentze/Thies, 2012). Mithilfe eines professionellen Stakeholder-Managements (z. B. Accountability, 2008) können die identifizierten Ansprüche systematisch berücksichtigt werden. Das Nachhaltigkeits-Reporting hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, wie unter anderem an der steigenden Zahl von Nachhaltigkeitsberichten abzulesen ist, die der Global Reporting Initiative (GRI) gemeldet werden (GRI, 2013a). Gründe hierfür sind neben dem allgemein steigenden Interesse von Stakeholdern an der Sozial- und Umweltverträglichkeit unternehmerischen Handelns u. a. die Veröffentlichung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK, 2011) und die Bekanntmachung des neuen Berichtsstandards G4 der Global Reporting Initiative (GRI, 2013a). Darüber hinaus haben das Europäische Parlament, die Europäische Kommission und der Rat der Europäischen Kommission sich für eine Berichtspflicht zu nicht finanziellen Kennzahlen ausgesprochen, der zahlreiche Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern zukünftig werden nachkommen müssen (BMJV, 2014, ABl. EU Nr. L 330, 2014).

Insbesondere größere börsennotierte Unternehmen präsentieren zumeist jährlich einen Nachhaltig- keitsbericht, der in der Regel auch einen Prüfbericht umfasst. Weit verbreitet ist die Dokumentation der Nachhaltigkeitsleistungen mithilfe der zehn Prinzipien des UN Global Compact, der Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI), des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) oder der EFFAS-Prinzipien (European Federation of Financial Analyst Societies; EFFAS, 2010). Im Folgenden werden aus Platzgründen nur die drei ersten Standards behandelt. Die Nachhaltigkeitsberichte werden national und international insbesondere nach den Prüfstandards ISAE 3000 (Assurance Engagement) und dem Standard AccountAbility (AA 1000) geprüft.

Nachhaltigkeitsmanagement vollzieht sich in einem mehrstufigen Prozess mit folgenden Phasen: Planen, Implementieren, Überwachen und Kontrollieren, Prüfen und Berichten, Bewerten und Analysieren. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung stellt hierin eine Phase dar, die vielfach auch eine betriebswirtschaftliche Prüfung einschließt. Hierzu können die Unternehmen auf zahlreiche nationale und internationale Standards zurückgreifen (Hentze/Thies, 2014: 43ff.).

2. Nachhaltigkeitsberichterstattung als Kommunikationsinstrument

Die zentrale Aufgabe der Berichterstattung besteht darin, die Ziele, Handlungen und Ergebnisse des Nachhaltigkeitsmanagements für die Unternehmensführung und die Stakeholder zu dokumentieren. So soll eine Grundlage geschaffen werden, welche die zukünftigen Entscheidungen und Handlungen zu einem nachhaltigen Wirtschaften unterstützen kann. Die Berichterstattung ist also ein Kommunikationsinstrument, das den Dialog mit den Anspruchsgruppen der Organisation fördert. Systematische Stakeholderdialoge sollen zu einem besseren gegenseitigen Verständnis sowie zum Aufbau und zur Sicherung von Vertrauen und Integrität beitragen. In den Gesprächen mit Vertretern der Anspruchsgruppen werden Sichtweisen und Handlungsoptionen offen dargelegt und die Herausforderungen nachhaltigen Wirtschaftens diskutiert, wodurch Trends und Risiken eher erkannt und Verbesserungsmöglichkeiten leichter entdeckt werden sollen. Der Stakeholderdialog wird gleichzeitig genutzt, um über die Auswirkungen des eigenen Handelns auf Mensch und Umwelt Auskunft zu geben und Rechenschaft abzulegen.

Die Themen werden idealerweise in Zusammenarbeit mit den Anspruchsgruppen nach ihrer Bedeu- tung (Kriterium der Wesentlichkeit) priorisiert. In er Praxis wird eine Vielzahl von Formaten zum Aus- tausch mit Stakeholdern eingesetzt. Die Ergebnisse werden vielfach in einer sogenannten Materialitätsmatrix (vgl. Abb. 1) festgehalten. Mit ihrer Hilfe er mittelt das Unternehmen wesentliche Themen, die sowohl für die Stakeholder als auch für das Unternehmen relevant sind. Die Matrix macht den jeweiligen Handlungsbedarf zu einzelnen Themen ersichtlich.

150303 V.2 Akademie_01_2015_Abb.1Da sich die Rahmenbedingungen des Wirtschaftshandelns stets verändern, müssen vorhandene Handlungsmaximen regelmäßig hinterfragt und ihre Wirksamkeit hinsichtlich der Zielerreichung überprüft werden.

3. Formate zur Erstellung von Nachhaltig keitsberichten

3.1 UN Global Compact

Der UN Global Compact wurde 1999 vom damaligen Generalsekretär Kofi Annan auf dem UN Econo- mic Forum in Davos vorgestellt und ein Jahr später in Kraft gesetzt. Er ist ein weltweiter Aufruf an Unternehmen, ihre Strategien und Aktivitäten an zehn anerkannten Prinzipien auszurichten, die die Bereiche Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung abdecken und die allgemeinen Ziele der UN unterstützen.

Der UN Global Compact ist eine freiwillige Plattform für den Stakeholderdialog und gegenseitiges Lernen. Ihm gehören inzwischen über 10.000 teilnehmende Unternehmen aus über 130 Ländern an.

Er stellt damit die weltweit größte Bewegung gesellschaftlich engagierter Unternehmen dar (UN Global Compact, 2013). Teilnehmer am UN Global Compact verpflichten sich, jährlich über ihren Fortschritt bei der Umsetzung der zehn Prinzipien (vgl. Abb. 2) zu berichten. Die Fortschrittsmitteilung (Communication on Progress, COP) ist als Mitteilung eines Unternehmens an seine Stakeholder zu verstehen. Eine vollständige COP beschreibt durchgeführte Maßnahmen und erzielte Ergebnisse.

150303 V.2 Akademie_01_2015_Abb. 2

3.2 Global Reporting Initiative (GRI, G4)
Bei den Reporting Guidelines der Global Reporting Initiative handelt es sich um einen weltweit anerkannten Standard zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, der insbesondere von großen Unternehmen angewendet wird. Nachhaltigkeitsberichte der DAX-30-Unternehmen sind in der Regel an GRI-Richtlinien orientiert. Der GRI-Berichtsrahmen umfasst eine detaillierte Anleitung für die Berichterstattung über ökonomische, ökologische und gesellschaftlich/soziale Leistungen von Unternehmen und anderen Organisationen.

Im Mai 2013 wurden die aktuellen Berichtsrichtlinien G4 vorgestellt (GRI, 2013a; GRI, 2013b). Sie wurden in einem umfangreichen öffentlichen, internationalen Beratungsverfahren entwickelt und sollen einfacher zu handhaben sein als die Vorgänger. Der G4-Berichtsrahmen soll den bisherigen Standard G3.1 bis Ende 2015 vollständig ablösen.

Zur Bestimmung der Berichtsinhalte gelten folgende Grundsätze: Einbeziehung von Stakeholdern, Nachhaltigkeitskontext, Wesentlichkeit und Vollständigkeit. Zur Bestimmung der Berichtsqualität legt GRI folgende Kriterien an: Ausgewogenheit, Vergleichbarkeit, Genauigkeit, Aktualität, Klarheit und Verlässlichkeit (GRI, 2013a: 16 ff.).

Zu folgenden allgemeinen Standardangaben (General Standard Disclosures) muss dabei jedes Unter- nehmen berichten, das sich auf den Standard bezieht:
1. Strategie und Analyse,
2. Organisationsprofil,
3. ermittelte wesentliche Aspekte und Grenzen,
4. Einbindung von Stakeholdern,
5. Berichtsprofil,
6. Unternehmensführung,
7. Ethik und Integrität.

Hierzu werden 58 allgemeine Standardangaben genannt, die für alle Organisationen gelten, die Nach- haltigkeitsberichte erstellen (GRI, 2013a:21).

Die Leitlinien bieten grundsätzlich zwei Optionen für die Erstellung des Nachhaltigkeitsberichts an, wenn dieser als übereinstimmend mit dem G4-Standard gelten soll. Diese sind die „Kern-“ (Core) und die „Umfassende“ (Comprehensive) Option (GRI, 2013a: 11). Die erste Option enthält die wesentlichen Elemente eines Nachhaltigkeitsberichts. Die zweite Option baut auf der Kern-Option auf und erfordert zusätzliche Standardangaben zur Strategie und Analyse, zur Unternehmensführung sowie zur Ethik und Integrität der Organisation. Darüber hinaus muss die Organisation ausführlicher über ihre Leistung berichten. Unternehmen, die einen Bericht erstellen möchten, der dem einfacheren Anspruch (Core) gerecht werden soll, müssen dabei 34 der Indikatoren bewerten und ggf. zu ihnen berichten. Unternehmen, die einen Bericht mit dem weitergehenden Anspruch (Comprehensive) erstellen möchten, müssen alle 58 Indikatoren auf die Bedeutung für ihre Tätigkeit hin untersuchen und ggf. zu diesen berichten. Im Anschluss zu den allgemeinen Fragen muss zu 92 spezifischen Standards Auskunft gegeben werden.

Über die allgemeinen Berichtslinien hinaus veröffentlicht die Global Reporting Initiative sogenannte Sector Supplements. Diese sollen von Unternehmen aus besonderen Bereichen (z. B. Finanzwirtschaft) berücksichtigt werden. Auch sie umfassen allgemeine Indikatoren (General Standard Disclosures), zu denen berichtet werden muss, sowie sektorspezifische Ergänzungen und Aspekte, die es in Abhängigkeit von ihrer Bedeutung zu berücksichtigen gilt.

3.3 Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK)
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung, ein von der Bundesregierung eingesetztes Expertengremium, hat im September 2011 seine Empfehlung zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex der Öffentlichkeit vorgestellt. Seit Oktober 2014 liegt eine aktualisierte Fassung dieser Richtlinie vor. Die Anwendung des Kodex ist Unternehmen und anderen Organisationen freigestellt. Sie können selbständig erklären, ob und inwieweit sie den Anforderungen des Deutschen Nachhaltigkeitskodex entsprechen (comply or ex- plain).

Eine Stärke des DNK ist sein vergleichsweise geringer Umfang und seine entsprechend einfache An- wendbarkeit. Hierüber ermöglicht er insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen einen leichten Einstieg in das Nachhaltigkeitsmanagement und die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Speziell für mittelständische Unternehmen liegt seit kurzem auch ein Leitfaden zur Anwendung des DNK vor (Rat für Nachhaltige Entwicklung/Bertelsmann Stiftung, 2013). Der Kodex umfasst 20 Kriterien, die vier Themenbereichen zugeordnet sind (Abb. 3).

150303 V.2 Akademie_01_2015_Seite_08_Abb. 3

Branchenspezifische Anpassungen und Ergänzungen des DNK sind möglich und können durch das jeweilige Unternehmen vorgenommen werden. Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex wird in der Broschüre des Rats für Nachhaltige Entwicklung (DNK, 2011) um Anwendungshinweise und Kommentare ergänzt.

4. Schlussbemerkung

Transparenz und Glaubwürdigkeit sind entscheidende Parameter der Nachhaltigkeitsberichterstat- tung, die v. a. durch den Stakeholderdialog gekennzeichnet ist. Bislang war das Reporting weitestgehend freiwillig, zahlreiche Stakeholder drängen jedoch zunehmend auf eine verbindliche Berichterstattung insbesondere für große Unternehmen. Mit neuen entsprechenden Gesetzesvorschriften kommen die Europäische Union und einzelne Länder wie Großbritannien oder Indien diesen Erwartungen entgegen.

Literatur:

Accountability (2008): AA1000 Stakeholder Engagement Standard 2011. http://www.accountability.org/images/content/3/6/362/AA1000SES%202010%20PRINT.PDF (Stand: 31.1.2014)

Amtsblatt der Europäischen Union (ABl. EU), Nr. L 330 vom 15.11.2014: Richtlinie 2014/95/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Oktober 2014 BMJV (2014): CSR-Berichtspflichten – EU-Richtlinie verabschiedet. Pressemitteilung des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz. http://www.bmjv.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/2014/20140929_Unternehmenstransparenz.html (Stand: 15.10.2014)

DNK (2011): Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK). Rat für Nachhaltige Entwicklung: Berlin

DNK (2014): Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK), in der aktualisierten Fassung vom 4. August 2014. Rat für Nachhaltige Entwicklung: Berlin

EFFAS (2010): KPIs for ESG. A Guideline for the Integration of ESG into Financial Analysis and Corporate Valuation. Version 3.0 (Hrsg.: EFFAS und DVFA). http://www.effas-esg.com/wp-content/ uploads/2011/07/KPIs_for_ESG_3_0_Final.pdf (Stand: 01.02.2013)

Freeman, Edward R. (2010): Strategic Management. A Stakeholder Approach (Original 1984). Cambridge University Press: Cambridge

GRI (2013a): G4-Leitlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Berichterstattungsgrundsätze und Standardangaben. Global Reporting Initiative.https://www.globalreporting.org/resourcelibrary/German-G4-Part-One.pdf (Stand: 07.03.2014)

GRI (2013b): G4-Leitlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Umsetzungsanleitung. Global Reporting Initiative. https://www.globalreporting.org/resourcelibrary/German-G4-Part-Two.pdf (Stand: 07.03.2014)

Hentze, Joachim (2011): Nachhaltigkeitsmanagement. Die Enkel werden es uns danken. In: Akademie, 1-2011, S. 3 – 6.

Hentze, Joachim und Thies, Björn (2012): Unternehmensethik und Nachhaltigkeitsmanagement. Haupt: Bern, Stuttgart, Wien

Hentze, Joachim und Thies, Björn (2014): Stakeholder-Management und Nachhaltigkeits-Reporting. Springer Gabler: Wiesbaden

Rat für Nachhaltige Entwicklung und Bertelsmann Stiftung (2013): Leitfaden zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex.

Orientierungshilfe für mittelständische Unternehmen. http:// www.deutscher-nachhaltigkeitskodex.de/fileadmin/user_upload/ dnk/dok/leitfaden/DNK_Leitfaden.pdf (Stand: 08.08.2014)

Siemens (2013): Nachhaltigkeitsbericht 2012. Siemens AG. http://www.siemens.com/sustainability/pool/de/nachhaltigkeitsreporting/siemens-nb-strategie.pdf (Stand: 05.02.2014)

UN Global Compact (2012): Die Zehn Prinzipien. https://www.unglobalcompact.org/what-is-gc/mission/principles (Stand: 05.02.2013)

UN Global Compact (2013): About Us. http://www.unglobalcompact.org/AboutTheGC/index.html (Stand: 06.09.2013)

Autoren:

  • Prof. Dr. Joachim Hentze

    Prof. Dr. Joachim Hentze lehrte an der Technischen Universität Braunschweig Unternehmensführung und ist unter anderem Dozent an der VWA Leer. Foto: privat

  • Dr. Björn Thies

    Dr. Björn Thies, Politikwissenschaftler. Partner bei Holm, Cernicky, Thies und Partner (ecocommit), Dozent an der FOM Hochschule für Organisation und Management. Foto: Sven Brauers