Tragödie der Allmende (II): Prekäres Vertrauen – Homo reciprocans versus Homo oeconomicus

Die im Ausgangsbeitrag „Tragödie der Allmende (I): Prekäre Gemeinnützigkeit“ (AKADEMIE  1/2013, S. 13 ff.) gegebene Einführung in die experimentelle ökonomische Verhaltensforschung wird mit diesem Folgebeitrag, der das Gut „Vertrauen“ in den Mittelpunkt stellt, abgeschlossen. Vertrauen ist grundlegend für das Gedeihen nicht allein der privaten und geschäftlichen Beziehungen, sondern des Gemeinwesens schlechthin, denn die dafür notwendigen Vorleistungen erbringen Menschen im Vertrauen auf gewünschte und erwartete Gegenleistungen. Dies entspricht dem Menschenbild des Homo reciprocans.

  1. Kooperationsspiele mit Strafmodus – „antisoziale“ Bestrafung

Dem Ausgangsbeitrag wurde, um die Tragödie der Allmende experimentell nachzubilden, die Standardversion des „Public Goods Game“ (PGG) genannten Kooperationsspiels zugrunde gelegt: Jedes Mitglied einer Gruppe von 4 anonymen Testpersonen erhält eine Erstausstattung von beispielsweise X = 20 GE (Geldeinheiten), die es ganz oder zum Teil behalten oder einem gemeinnützigen Zweck („common pool“) zuwenden kann. Jede gemeinnützig beigetragene GE erhöht der Spielleiter mit dem Faktor 1,6 und verteilt das Ergebnis zu gleichen Teilen unter die 4 Spieler. Ein Homo oeconomicus, der nicht darauf vertraut, dass andere Spieler beitragen, wird keinen Beitrag leisten, denn er erwartet, für jede beigetragene GE nur eine Auszahlung von (1,6 : 4 =) 0,4 GE zu erhalten. Experimente bestätigen diese pessimistische Erwartung nicht, doch zeigen sie eine mit den Spielrunden stark abnehmende Beitragsbereitschaft, weil Gutwillige ihr Vertrauen durch Trittbrettfahrer – nicht kooperierende Gruppenmitglieder – enttäuscht sehen. Wird im PGG die Möglichkeit zugelassen, Trittbrettfahrer zu bestrafen, erhöht sich die Kooperationsbereitschaft, gemessen an den Beiträgen, deutlich. Allerdings ist Bestrafung, wie im Ausgangsbeitrag gezeigt wurde, mit erheblichen Kosten auf Seiten des Strafenden wie des Bestraften verbunden und vermindert deshalb die Effizienz der Kooperation beträchtlich.

Herrmann et al. (2008) haben PGG mit und ohne Strafmodus unter Beteiligung von 1.120 Testpersonen (Universitätsstudenten etwa gleichen Alters und mit vergleichbarem sozialen Status) aus 16 Ländern durchgeführt. Im Strafmodus haben die Mitglieder der Gruppe mit höchster Kooperationsbereitschaft im Durchschnitt 90 % ihrer Erstausstattung, dagegen die Mitglieder der Gruppe mit niedrigster Kooperationsbereitschaft nur 29 % beigetragen. Die durchschnittliche Auszahlung der betreffenden Spieler pro Spielrunde differierte um mehr als 250 Prozentpunkte. Ferner zeigte sich eine hochsignifikante negative Korrelation zwischen der Kooperationsbereitschaft und einem Phänomen, das die Autoren „antisocial punishment“ nennen: Während bei der „normalen“ Bestrafung der (überdurchschnittlich) Beitragende Trittbrettfahrer bestraft, ist es im Fall „antisozialer“ Bestrafung genau umgekehrt! Dieses Strafverhalten war in Abhängigkeit von der nationalen Herkunft der Gruppe stark unterschiedlich ausgeprägt: kaum oder gering bei Teilnehmern aus Ländern wie USA, Australien, Schweiz oder Großbritannien oder stark bei Teilnehmern aus Ländern wie Türkei, Weißrussland, Saudi-Arabien, Oman oder auch Griechenland.

Welche Motive könnten für antisoziale Bestrafung bestimmend sein? Der Strafende „nimmt Rache“ dafür, in einer Vorrunde als Trittbrettfahrer bestraft worden zu sein, wobei er den (anonymen) damals Strafenden im Zweifel unter den überdurchschnittlich Beitragenden vermutet. Gegen (zu) hoch Beitragende mag sich ein Streben nach „normativer Konformität“ richten. Es wird eine Antipathie gegen Leute, die sich als Wohltäter „hervortun“ und damit „punkten“ (wollen), ausgelebt („do-gooders-derogation“1). Teilnehmer mit starker Neigung zu antisozialer Bestrafung kamen typischerweise aus Ländern, in denen Gemeinsinn sowie Achtung vor Recht und Gesetz ohne Ansehen der Person vergleichsweise wenig entwickelt, dagegen Phänomene wie Klientel-Politik, Clan-Wirtschaft, Korruption, Steuerhinterziehung, Subventionsbetrug oder auch Schwarzfahren erwiesenermaßen an der Tagesordnung sind.

  1. Das Vertrauensspiel

Berg et al. (1995) haben zuerst ein Experiment durchgeführt, das seitdem als Vertrauensspiel (trust game) TG bekannt ist. Dabei treffen – unter Wahrung wechselseitiger Anonymität – zwei Spieler aufeinander, der „Investor“ I (auch „Sender“ genannt) und der Empfänger E (im Englischen bisweilen auch „trustee“ genannt). I und E verfügen jeweils über eine Erstausstattung von Z GE. Entscheidet sich I, den Betrag X an E zu senden (0 ≤ X ≤ Z), dann vervielfacht der Spielleiter diesen Betrag bei E mit dem Faktor (1 + r): Ist beispielsweise r = 2, kommen also 3X GE bei E an2, sodass danach E über Z + 3X GE verfügt. E kann jetzt, aber muss dies nicht tun, einen Betrag Y an I zurücksenden; dabei wird 0 ≤ Y ≤ 3X sein, denn E will sich nicht schlechter als in der Ausgangsposition stellen. Der Betrag X, den I an E sendet, lässt sich als Maß des Vertrauens betrachten, das I in die Bereitschaft des E setzt, ihn an der „Produktivität“ (1 + r) dieser Investition mittels einer Rücksendung Y teilhaben zu lassen; das Verhältnis Y/(1 + r)X misst die Vertrauenswürdigkeit des E. Ist im Fall r = 2 beispielsweise Y = 2X, dann beträgt der Quotient der Vertrauenswürdigkeit 2/3; I und E verfügen hier am Ende des Spiels zusätzlich zur Erstausstattung Z jeweils über den gleichen „Nettoertrag“ X.

Wer als Homo oeconomicus in der Rolle des I erwartet, dass E nichts zurücksenden wird (d. h. Y = 0), wird seinerseits nichts senden (X = 0). Im Experiment von Berg et. al. (1995) hat aber die ganz überwiegende Mehrheit X > 0 gewählt und bei einer Erstausstattung von Z = 10 US-$ durchschnittlich 5,16 $ übersandt. Nur 2 von 32 Empfängern gaben nichts zurück (Y = 0); im Durchschnitt betrug Y 4,66 $ und bei einem Drittel war Y > X. Es zeigte sich das folgende Muster: X und Y waren positiv korreliert. Wer als I mehr als 50 % seiner Erstausstattung Z an E sandte, erhielt im Durchschnitt mehr zurück (d. h. Y > X), wer weniger übersandte, hatte im Durchschnitt einen negativen Nettoertrag (d. h. Y < X). Dominiert Homo reciprocans, dann zahlt sich Vertrauen aus!

Sofern I im Vertrauensspiel einen positiven Betrag X an E sendet, hat dies nichts mit Altruismus zu tun, sondern beruht auf der Erwartung von Reziprozität, in die Vorstellungen von fairem Verhalten eingehen. Beispielsweise wird es als nicht fair empfunden, wenn – in einem modifizierten Experiment – I die von ihm gewünschte Rückzahlung Y*, die er dem E vorher mitgeteilt hat, mit einer E angedrohten Strafzahlung zu erzwingen trachtet; der tatsächliche Nettobeitrag des I fällt dann deutlich geringer aus, als wenn er auf die Bestrafungsmöglichkeit verzichtet hätte (Fehr, Rockenbach 2003). Der – hier in Gestalt der Strafandrohung – extern auferlegte monetäre Anreiz, Verhalten in eine gewünschte Richtung zu lenken, ist geeignet, einen internen Antrieb zu diesem Verhalten zu beeinträchtigen bzw., wenn die Rückforderung des Senders I von E als „unfair“ und „habgierig“ empfunden wird, zu zerstören. Auch die Identität der Akteure kann Reziprozität beeinflussen, wie etwa ein Experiment gezeigt hat, in dem Hautfarbe oder Nationalität des Senders I dem Empfänger mitgeteilt wurden: die Rücksendung Y des E fiel signifikant geringer aus, wenn sich I und E nach Hautfarbe oder Nationalität unterschieden (Akerlof, Kranton 2011).

III. Indirekte Reziprozität

Das Bibelwort „Gebt, so wird euch gegeben.“ (Lucas 6, 38) kennzeichnet ein Kooperationsmuster, für das die Verhaltensforschung den Begriff indirekte Reziprozität (IR) geprägt hat. Altruistische Akte, bei denen ein Individuum Kosten aufwendet, um die Interessen eines anderen Individuums zu befördern, können auf direkter Reziprozität beruhen: A hilft B, weil B vorher A geholfen hat. Sie beruhen auf IR, wenn A dem B hilft, weil er (A) Kenntnis davon hat, dass B dem C geholfen hat. IR ist in vielen Hinsichten das wesentlich anspruchsvollere Kooperationsmuster: Es funktioniert nur, wenn ein Individuum in den Augen anderer Individuen eine „Reputation“ erwerben kann, und dies setzt eine auf gemeinsame Moralnormen gründende komplexe soziale Interaktion voraus, die hohe kognitive Anforderungen stellt. Beispielsweise könnte B einen moralisch gerechtfertigten Grund gehabt haben, C nicht zu helfen; A muss diesen Umstand verlässlich in Erfahrung bringen, um B nicht ungerechtfertigt seine Hilfe zu verweigern. IR dürfte mit der Hirnvergrößerung im Zuge der Evolution zum Homo sapiens einhergegangen sein und hat entscheidenden Anteil daran, dass sich Kooperation auch in Gruppen nicht-verwandter Menschen, bei denen folglich Altruismus nicht auf gemeinsame Gene zurückgeführt werden kann, hinreichend entwickelt hat, um im Kampf um knappe Ressourcen gegen konkurrierende Gruppen zu bestehen (Nowak 2011, Kap. 2, 4, 5).

Rockenbach/Milinski (2006) haben die früher angegebene Standardversion des PGG in Gruppen mit jeweils 8 Teilnehmern (aus insgesamt 144 Studierenden der Universität Erfurt) in 18 Sitzungen von jeweils 20 Runden spielen lassen, allerdings mit bestimmten Modifikationen: Vor jeder Spielrunde musste sich jeder Teilnehmer entscheiden, ob er die Option, Trittbrettfahrer zu bestrafen, haben oder auf sie verzichten wollte. In 12 der 18 Sitzungen wurde am Ende jeder Spielrunde ein Vertrauensspiel (trust game TG) eingeschoben, bei dem der „Investor“ 3 GE – seine Ausstattung für dieses Spiel – entweder an den Empfänger senden (bei diesem kamen dann [3 · 3 =] 9 GE an) oder eigennützig behalten konnte. Jedes Gruppenmitglied erhielt umfassende Information über das Verhalten jedes anderen Gruppenmitglieds in seinen Rollen als Beiträger zum gemeinnützigen Zweck sowie als Investor bzw. Empfänger im TG in den bisherigen Runden des PGG. Auf diese Weise bildete sich für jedes Gruppenmitglied „Ansehen“ oder „Reputation“ – die notwendige Voraussetzung dafür, um IR „ins Spiel“ zu bringen. Direkte Reziprozität wurde dadurch ausgeschlossen, dass im TG ein bestimmter Sender und ein bestimmter Empfänger niemals öfter als einmal aufeinander trafen.

Wie früher (AKADEMIE 1/2013, S. 16) ausführlich dargelegt wurde, wirkt die Option, Trittbrettfahrer im PGG zu bestrafen, zwar disziplinierend, ihre Ausübung erzeugt jedoch beträchtliche Kosten und damit Effizienzverluste. Könnte nicht IR, die im TG zur Geltung gebracht wird, ebenfalls das Trittbrettfahren im PGG eindämmen und dabei den Vorteil haben, weniger kostspielig zu sein? Tatsächlich zeigte das o. a. Experiment, dass im PGG großzügig(er) beigetragen wurde, wenn dieser Umstand im TG potenziellen Sendern bekannt wurde. Großzügige(re) Beiträger im PGG waren regelmäßig auch Sender im TG, weil sie die durch ihr Beitragsverhalten im PGG erworbene Reputation im TG nicht aufs Spiel setzen wollten. Die Teilnehmer sahen durchaus den Stellenwert von (guter) Reputation und die Möglichkeit, Trittbrettfahrer im PGG im Wege von IR, nämlich durch Nichtsenden im TG, zu bestrafen. Aber die große Mehrheit betrachtete diese Möglichkeit nicht als gleichwertiges Substitut für direkte Bestrafung und wollte deshalb auf diese nicht verzichten. Die Kombination beider Sanktionsmechanismen – direkte Bestrafung und IR – bewirkte, dass insgesamt deutlich weniger Strafpunkte vergeben und verbliebene („hartnäckige“) Trittbrettfahrer besonders hart bestraft3 wurden sowie je Strafpunkt der Beitragszuwachs im PGG dreimal so hoch ausfiel wie es bei Verzicht auf IR der Fall war. Nur mit beiden Sanktionsmechanismen zusammen konnte schon nach wenigen Spielrunden erreicht werden, dass eine absolute Mehrheit der Teilnehmer ihre gesamte Erstausstattung im PGG gemeinnützig verwendete (Rockenbach/Milinski [2006], S. 720). Die beträchtliche Steigerung der gemeinnützigen Beiträge bei gleichzeitiger Senkung der für Bestrafung aufzuwendenden Kosten bedeutete eine signifikante Verbesserung der Effizienz des PGG.

  1. Ausblick

Elinor Ostrom (1990) hat weltweit die Nutzung von Allmendegütern – seien es natürliche wie Almweiden oder Fischgründe, seien es künstliche wie Bewässerungssysteme – im Hinblick auf institutionelle Lösungen „jenseits von Markt und Staat“ erforscht4, mit denen die Betroffenen die Tragödie der Allmende abwenden und eine (näherungsweise) optimal effiziente Ressourcennutzung sicherstellen konnten, welche Eigennutz und Gemeinwohl nachhaltig in Einklang bringt. Erfolgreiche Lösungen beinhalten Nutzerregeln, die von allen klar verstanden und als fair gebilligt werden5 sowie die effektive Kontrolle ihrer Einhaltung, insbesondere die reputationsschädigende Sanktionierung von Regelverstößen. Wer Regelverletzer bestrafen will, muss allerdings regelmäßig Kosten auf sich nehmen und könnte deshalb versucht sein, als „Trittbrettfahrer zweiter Ordnung“ von der disziplinierenden Wirkung der Bestrafung (durch andere) zu profitieren. Diesem Anreiz wird häufig durch die gemeinschaftliche Finanzierung einer Autorität begegnet, die mit der Gewährleistung der Regeleinhaltung beauftragt ist. Die effiziente Nutzung von Allmenderessourcen funktioniert typischerweise in überschaubaren Gemeinschaften ohne nennenswerte Mitgliederfluktuation: Bewehrt mit den Sanktionsmechanismen direkter Bestrafung von Regelverstößen und indirekter Reziprozität kann sich allseitiges Vertrauen in regelkonformes Nutzerverhalten ausbilden.

Im Fall weltumspannender Allmendegüter wie den Weltmeeren oder dem Weltklima funktionieren die für kleine Gemeinschaften passenden institutionellen Lösungen nach bisheriger Erfahrung nicht. Womit – leider – hier gerechnet werden muss, illustriert das folgende PGG mit dem Namen „Klimaspiel“: 6 Jede Testperson hat eine Erstausstattung von 40 Euro und gehört einer von 10 Gruppen mit jeweils 6 Teilnehmern an, die das PGG 10 Runden lang spielen. Sie hat in jeder Runde eine von drei alternativen Entscheidungen zu treffen: Entweder „egoistisch“ nichts (0 Euro) oder „fair“ (2 Euro) oder „altruistisch“ (4 Euro) zur Klimarettung beizutragen. Schafft es eine Gruppe, am Ende der 10. Runde Beiträge in Höhe von insgesamt 120 Euro7 zusammenzubringen, hat sie das „Klima gerettet“. Andernfalls tritt mit einer Wahrscheinlichkeit W, die allen Teilnehmern vor Spielbeginn mitgeteilt wurde, die „Klimakatastrophe“ ein, welche dann für jeden Teilnehmer den Verlust seiner gesamten Erstausstattung (40 Euro) bedeutet. Das Ergebnis dieses Experiments ist beunruhigend: Im Fall W = 10 % schaffte es keine (!) Gruppe, insgesamt die 120 Euro zusammenzubringen, bei W = 50 % gelang dies nur einer (!) der zehn Gruppen und im Fall W = 90 % auch nicht mehr als der Hälfte der Gruppen.

Anmerkungen:

1 Für diese neiderfüllte Attitüde findet sich bei dem griechischen Schriftsteller Plutarch (1. Jh. n. Chr.) eine illustrative Anekdote. Er berichtet von einem Scherbengericht (Ostrakismus) im alten Athen, das über die Verbannung des Staatsmannes und Feldherrn Aristides abzustimmen hatte (482 v. Chr.): Ein des Lesens und Schreibens unkundiger Bauer wendet sich an einen ihm unbekannten Mann mit der Bitte, für ihn den Namen Aristides auf eine Tonscherbe zu schreiben. Dieser Mann – es ist Aristides selbst – fragt den Bauern, was ihm Aristides denn angetan habe. Gar nichts, antwortet der Bauer, er kenne Aristides nicht einmal, aber er sei es leid, ihn überall „den Gerechten“ genannt zu hören (Finley 1986, S. 68).

2 Man kann dies als Ausdruck der „Produktivität“ der Investition X des I bei E ansehen.

3 In einem PGG-Experiment mit Teilnehmern aus Einheiten der schweizerischen Armee wurden Trittbrettfahrer von Beiträgern dann deutlich härter bestraft, wenn sie derselben Einheit wie diese angehörten (Goetto et. al. 2006). Dies illustriert den Einfluss der „Identität“ auf den angewandten Maßstab für moralisch gebotenes („anständiges“ oder „faires“) Verhalten.

4 Die Amerikanerin Elinor Ostrom (Indiana University, Bloomington) hat – als erste Frau – 2009 den Wirtschaftsnobelpreis erhalten.

5 Beispielsweise werden die – unterschiedlich ertragreichen – Fanggebiete eines Küstenabschnitts den einzelnen Fischer-familien zur temporären ausschließlichen Nutzung nach dem Rotationsprinzip zugeteilt und eine Ressourcen erhaltende Befischung im Wege der Nachbarschaftskontrolle sichergestellt.

6 Erdacht und mit Diplomstudenten der Universität Hamburg durchgeführt von Manfred Milinkski, Direktor des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie in Ploen, hier zitiert nach Nowak (2011, S. 209 ff.).

7 Damit 120 Euro zusammen kommen, genügt es beispielsweise, wenn jeder Teilnehmer in jeder Runde den „fairen“ Beitrag (2 Euro) beiträgt (10 · 6 · 2 =120). Nullbeiträge von Trittbrettfahrern müssten dagegen von genügend vielen altruistischen Beiträgen kompensiert werden.

Literatur:

Akerlof, G., Kranton, R. E. (2010): Identity Economics, Princeton: Princeton University Press (dt. Übersetzung: München: Hanser 2011).

Fehr, E., Rockenbach, B. (2003): Detrimental effects of sanctioning on human altruism, in: Nature 422, S. 137-140.

Finley, M. I. (1986): Das politische Leben in der antiken Welt, München: C. H. Beck.

Goetto, L., Huffman, D., Meier, S. (2006): The impact of group membership on cooperation and norm enforcement: evidence using random assignment to real social groups, in: American Economic Review 96, S. 212-216.

Herrmann, B., Thöni, C., Gächter, S. (2008): Antisocial punishment across societies, in: Science 319, S 1362-1367.

Nowak, M. A. (2011): Supercooperators, New York: Free Press.

Ostrom, E.: Governing the commons: the evolution of institutions for collective action, Cambridge: Cambridge University Press (dt. Übersetzung: Tübingen: J. C. B. Mohr 1999).

Rockenbach, B., Milinski, M. (2006): The efficient interaction of indirect reciprocity and costly punishment, in: Nature 444, S. 718-723.

Autoren:

  • Universitätsprofessor Dr. Rupert Windisch

    Prof. em. Dr. Rupert Windisch war Studienleiter der VWA Gera. Foto: Universität Jena