Wissenschaftliches Arbeiten: Acht Schritte zum Erfolg (2)

160831-freigabe-akademie-3-2016_seite_01Die wissenschaftliche Arbeit planen
Wer im Studium eine wissenschaftliche Arbeit schreibt, sei es eine Seminar- oder auch eine Abschlussarbeit, muss sich nicht nur mit seinem Thema, sondern auch mit den Methoden des wissenschaft-lichen Arbeitens vertraut machen. Von der eigentlichen Idee bis zur Abgabe der Arbeit sind acht grundsätzliche Schritte zu durchlaufen:

  1. Die Arbeit muss geplant werden.
  2. Ein Thema muss gefunden und eingegrenzt werden.
  3. Literatur muss recherchiert und eingeschätzt werden.
  4. Die wissenschaftliche Literatur muss gelesen werden.
  5. Danach gilt es, das Thema zu strukturieren und
  6. die Ergebnisse schriftlich niederzulegen,
  7. seine Quellen offenzulegen und
  8. den ersten Entwurf des Textes zu überarbeiten und zu redigieren.

Die AKADEMIE (Ausgaben 3 und 4-2016) stellt ausgewählte Übungen zu jedem der genannten Schritte vor.1

Schritt 2 von 8:
Das Finden eines geeigneten Themas unter Einbezug von publizierten Praxisproblemen

Gerade bei praxis- und anwendungsorientierten Studiengängen, wie beispielsweise der Betriebswirtschaftslehre, den Medienwissenschaften oder den Ingenieurwissenschaften, liegt es auf der Hand, sich bei der Themenwahl an Problemen zu orientieren, welche die Praxis aktuell umtreiben. Dies hat gerade für Studierende, die keine akademische Karriere anstreben, den Vorteil, sich frühzeitig positionieren und so leichter den Sprung in die Praxis vollziehen zu können.

Dabei muss das Thema nicht zwangsläufig direkt von einem Unternehmen gestellt werden, wie es oftmals bei ausgeschriebenen Stellen als Werkstudent der Fall ist. Es besteht auch die Möglichkeit, aktuelle Diskussionen von Praktikern in den Medien als Inspiration zu nehmen, um die dort aufgespürten Problematiken selbständig anzugehen.

Einen ersten Eindruck dieser Suchstrategie gibt dieses Beispiel aus den Wirtschaftswissenschaften: Wird die an vielen Hochschulen vorhandene Datenbank WISO auf die Schlagwörter „Unternehmen“ und „Herausforderungen“ durchsucht, finden sich schnell aktuelle Artikel in der Wirtschaftspresse, die auf zu lösende Probleme hindeuten. Studierende mit einem Interesse an kleinen und mittleren Unternehmen finden möglicherweise Anregungen über praktische Artikel (beispielsweise verfasst von Unternehmensberatern), die Herausforderungen diskutieren, die bei begrenzter Ressourcenausstattung oder vergleichsweise geringer Bekanntheit zu überwinden sind.

Wer sich für Marketing interessiert, der könnte durch einen Beitrag inspiriert werden, der Thesen über die Zukunft des Marketings aufstellt. Beiträge, die sich mit Chancen und Gefahren der steigenden Nutzung digitaler Medien in der Gesellschaft auseinandersetzen, mögen dazu anregen, sich mit den Konsequenzen für verschiedene Unternehmensfunktionen (z. B. Marketing) oder verschiedene Wirtschaftszweige (z. B. Verlagswesen) zu beschäftigen. Studierende mit einem Finanzierungshintergrund könnten ein Thema für ihre Abschlussarbeit entwickeln, indem sie sich mit den aus der Finanzkrise verbundenen Herausforderungen für Unternehmen auseinandersetzen.

Umsetzung

Identifizieren Sie möglichst viele Publikationsorgane, über die sich Praktiker Ihres Feldes austauschen. Das können klassische Branchenzeitschriften sein, aber auch Webseiten und Blogs sind eine Möglichkeit. Was twittern die Meinungsführer Ihres Fachs? Gehen Sie die Veröffentlichungen der letzten beiden Jahre durch und achten Sie dabei auf Schlüsselwörter wie „Herausforderung“, „Probleme“, „Gefahren“ oder ähnliche Begriffe, die eine aktuelle Schwierigkeit andeuten. Sammeln Sie mindestens zehn machbare Themen.

Anmerkungen:

978-3-658-10706-2_Cover_1.indd1 Adaptiert nach Kollmann/Kuckertz/Stöckmann, Das 1 x 1 des Wissenschaftlichen Arbeitens. Von der Idee bis zur Abgabe. 2016. Mit freundlicher Genehmigung von © Springer Gabler 2016. Online verfügbar unter http://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-10707-9. All Rights Reserved.

Autoren:

  • Prof. Dr. Tobias Kollmann

    Prof. Dr. Tobias Kollmann ist Inhaber des Lehrstuhls für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen. Er ist Vorsitzender des Beirats „Junge Digitale Wirtschaft“ im BMWi und Landesbeauftragter für die Digitale Wirtschaft in NRW. Foto: Universität Duisburg-Essen

  • Univ.-Prof. Dr. Andreas Kuckertz

    Univ.-Prof. Dr. Andreas Kuckertz leitet das Fachgebiet Unternehmensgründungen und Unternehmertum (Entrepreneurship) an der Universität Hohenheim und ist stellvertretender geschäftsführender Direktor des Instituts für Marketing & Management. Foto: Felix Pilz/Universität Hohenheim

  • Dr. Christoph Stöckmann

    Dr. Christoph Stöckmann ist akademischer Rat a. Z. und Habilitand am Lehrstuhl für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen. Foto: Universität Duisburg-Essen