Wissenschaftliches Arbeiten: Acht Schritte zum Erfolg (4)

160831-freigabe-akademie-3-2016_seite_01Die wissenschaftliche Arbeit planen
Wer im Studium eine wissenschaftliche Arbeit schreibt, sei es eine Seminar- oder auch eine Abschlussarbeit, muss sich nicht nur mit seinem Thema, sondern auch mit den Methoden des wissenschaft-lichen Arbeitens vertraut machen. Von der eigentlichen Idee bis zur Abgabe der Arbeit sind acht grundsätzliche Schritte zu durchlaufen:

  1. Die Arbeit muss geplant werden.
  2. Ein Thema muss gefunden und eingegrenzt werden.
  3. Literatur muss recherchiert und eingeschätzt werden.
  4. Die wissenschaftliche Literatur muss gelesen werden.
  5. Danach gilt es, das Thema zu strukturieren und
  6. die Ergebnisse schriftlich niederzulegen,
  7. seine Quellen offenzulegen und
  8. den ersten Entwurf des Textes zu überarbeiten und zu redigieren.

Die AKADEMIE (Ausgaben 3 und 4-2016) stellt ausgewählte Übungen zu jedem der genannten Schritte vor.1

Schritt 4 von 8:
Aktives Lesen durch Identifikation von Thesen

Gerade wissenschaftliche Texte sind um Thesen herum aufgebaut, die von den Autoren mit den unterschiedlichsten Mitteln entwickelt und gestützt werden. Ein aktives Lesen, das sich dieses Umstands bewusst ist, kann genutzt werden, um diese Thesen (die nicht immer deutlich im Text hervorgehoben sein müssen) zu entdecken. Beim Lesen eines Textes sollte zwischen den primären Thesen und nachrangigen Argumenten unterschieden werden. Dazu bietet es sich an, eine aufgefundene These direkt im Text farblich oder durch Unterstreichung zu markieren.

Nach dem ersten Lesen sollten dann die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Thesen geklärt werden, da nicht alle Thesen von gleicher Bedeutung sind. So mag der Text aus einer zentralen These verschiedene weitere Unterthesen herleiten oder aber möglicherweise mehrere Unterthesen dazu verwenden, die zentrale These zu begründen.

Ersteres Vorgehen wird als Deduktion bezeichnet, der letztere Ansatz als Induktion.

Zeichnet man nun über den Text Pfeile, welche die einzelnen Thesen in Richtung der Hauptthese verbinden, so lässt sich die grundsätzliche Argumentationsstruktur umgehend nachvollziehen.

Umsetzung

Wählen Sie einen zu lesenden Text für Ihre wissenschaftliche Arbeit aus und machen Sie dessen Thesen wie beschrieben explizit.

Prüfen Sie dann, wie glaubwürdig der Autor für seine Thesen argumentiert. Möglicherweise werden empirische Belege angeführt oder aber es wird rein logisch vorgegangen. Seien Sie dabei aufmerksam für verschiedene Arten, Argumente zu begründen, wie beispielsweise die Unterscheidung von Ursache und Wirkung, Vergleich und Gegensatz, Fragen und Antworten oder aber Probleme und Lösungen. Kontrastieren Sie abschließend die Thesen des gelesenen Textes mit Ihrer Meinung beziehungsweise Ihrem bereits vorhandenen Wissen über das zu untersuchende Phänomen: Wo besteht Konsens zwischen Ihnen und dem Autor, wo weichen Sie voneinander ab, worin sind diese unterschiedlichen Sichtweisen begründet?

Anmerkungen:

978-3-658-10706-2_Cover_1.indd1 Adaptiert nach Kollmann/Kuckertz/Stöckmann, Das 1 x 1 des Wissenschaftlichen Arbeitens. Von der Idee bis zur Abgabe. 2016. Mit freundlicher Genehmigung von © Springer Gabler 2016. Online verfügbar unter http://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-10707-9. All Rights Reserved.

Autoren:

  • Prof. Dr. Tobias Kollmann

    Prof. Dr. Tobias Kollmann ist Inhaber des Lehrstuhls für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen. Er ist Vorsitzender des Beirats „Junge Digitale Wirtschaft“ im BMWi und Landesbeauftragter für die Digitale Wirtschaft in NRW. Foto: Universität Duisburg-Essen

  • Univ.-Prof. Dr. Andreas Kuckertz

    Univ.-Prof. Dr. Andreas Kuckertz leitet das Fachgebiet Unternehmensgründungen und Unternehmertum (Entrepreneurship) an der Universität Hohenheim und ist stellvertretender geschäftsführender Direktor des Instituts für Marketing & Management. Foto: Felix Pilz/Universität Hohenheim

  • Dr. Christoph Stöckmann

    Dr. Christoph Stöckmann ist akademischer Rat a. Z. und Habilitand am Lehrstuhl für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen. Foto: Universität Duisburg-Essen