Wissenschaftliches Arbeiten: Acht Schritte zum Erfolg (Teil 2)

Die wissenschaftliche Arbeit planen
Wer im Studium eine wissenschaftliche Arbeit schreibt, sei es eine Seminar- oder auch eine Abschlussarbeit, muss sich nicht nur mit seinem Thema, sondern auch mit den Methoden des wissenschaft-lichen Arbeitens vertraut machen. Von der eigentlichen Idee bis zur Abgabe der Arbeit sind acht grundsätzliche Schritte zu durchlaufen:

  1. Die Arbeit muss geplant werden.
  2. Ein Thema muss gefunden und eingegrenzt werden.
  3. Literatur muss recherchiert und eingeschätzt werden.
  4. Die wissenschaftliche Literatur muss gelesen werden.
  5. Danach gilt es, das Thema zu strukturieren und
  6. die Ergebnisse schriftlich niederzulegen,
  7. seine Quellen offenzulegen und
  8. den ersten Entwurf des Textes zu überarbeiten und zu redigieren.

Die AKADEMIE (Teil 1 in Ausgabe 3) stellt ausgewählte Übungen zu jedem der genannten Schritte vor (Teil 1 in Ausgabe 3).1

Schritt 5 von 8:
Erstellen einer Gliederung durch Identifika-tion der Hauptgedanken

Eine mögliche Sichtweise auf das Strukturieren von Themen bietet sich mit der Konzentration auf die Hauptgedanken zum Thema. Dazu ist es hilfreich, sich die zentrale Frage seiner wissenschaftlichen Arbeit zu vergegenwärtigen und die recherchierte Literatur zu betrachten. Zielführend sind dabei nachstehende Fragen:

• Welche Gedanken sollen nicht behandelt werden?
• Welche Gedanken sind für die eigene Arbeit interessant?
• Welcher Zusammenhang besteht zwischen den ausgewählten Gedanken?
• Welche Gedanken sind die Hauptgedanken?
• Welche Gedanken sind eher nachrangig?
• In welcher Reihenfolge sollten diese Gedanken abgearbeitet werden?

Umsetzung
Reflektieren Sie Ihr Thema vor dem Hintergrund der oben aufgeführten Fragen und schreiben Sie Ihre Gedanken auf. Nummerieren Sie die Gedanken durch und unterstreichen Sie diese oder markieren Sie sie farblich, wo dies sinnvoll erscheint. Schreiten Sie dann dazu fort, die einzelnen Teile miteinander in Verbindung zu setzen. Ihre Gliederung beziehungsweise Struktur sollte dabei einen logischen Zusammenhang haben – beispielsweise beginnend mit einer Erläuterung des Problems oder der Zielsetzung, gefolgt von einer Analyse des Problems und der Formulierung von möglichen Lösungen. Eine Zusammenfassung beziehungsweise ein Ausblick rundet Ihre Strukturierung ab.

Schritt 6 von 8:
Wissenschaftliches Argumentieren mit Hilfe des Waage-Modells

Um wissenschaftlich argumentieren zu können, müssen Studierende wissen, aus welchen Bestandteilen die Argumentation einer Arbeit besteht und wie sie diese miteinander zu verknüpfen haben. Das Waage-Modell bietet eine Hilfestellung zur Ausarbeitung einer ausgeglichenen Argumentation an. Eine Waage besteht aus zwei Waagschalen, einem Balken und einem Sockel.

Bildlich gesprochen ruht in einer Waagschale eine Hypothese, die andere Waagschale wird mit entsprechenden Belegen gefüllt. Der Studierende muss zunächst festlegen, welche Hypothesen er in seiner Arbeit aufstellen und wie er diese stützen möchte. Die Argumentation baut auf einer bereits vorhandenen Materialbasis auf, die im Waage-Modell durch den Sockel repräsentiert wird. Die beiden Waagschalen werden durch den sogenannten Balken miteinander verbunden.

Er sorgt dafür, dass die Waage funktioniert. Der Balken entspricht im übertragenen Sinne der wissenschaftlichen Arbeit zugrundeliegenden Methode. Sie verdeutlicht dem Leser, auf welcher wissenschaftlichen Grundlage das Material bearbeitet wird. Ziel ist es, die Waage ins Gleichgewicht zu bringen, das heißt, das Gleichgewicht darf nicht gestört sein. Weder dürfen sich zu viele Hypothesen in der einen und zu wenige Belege in der anderen Waagschale befinden, noch darf sich in einer Waagschale zu viel interpretiertes Material befinden, während allerdings zu wenig Hypothesen daraus abgeleitet werden. Die nachfolgende Übung soll den Studierenden eine logische, inhaltlich aufbauende und zielorientierte Gedankenzusammenstellung beziehungsweise Argumentation erleichtern.

Umsetzung
Versuchen Sie mit Hilfe des Modells der Waage ein Exposé Ihrer wissenschaftlichen Arbeit zu schreiben. Formulieren Sie zuerst die Frage- oder Problemstellung, die Sie in Ihrer wissenschaftlichen Arbeit beantworten möchten. Stellen Sie danach das vorhandene Material vor, welches den Grundstein für Ihre Untersuchung bildet, und begründen Sie Ihre Materialauswahl. Erläutern Sie anschließend, welche Methode Sie verwenden möchten, um Antworten auf Ihre gestellte Frage zu erlangen. Formulieren Sie dann erste Hypothesen und deuten Sie dabei bereits an, durch welche Beobachtungen am Material Sie diese Hypothesen belegen können. Auf diese Weise entsteht ein erster Textentwurf im Rahmen der Erstellung Ihrer Rohfassung.

Schritt 7 von 8:
Paraphrasieren und indirektes Zitieren

Paraphrasieren beziehungsweise indirektes Zitieren ist ein Verfahren, bei dem der Autor Gedankengänge und Aussagen anderer referiert. Dabei wird die Aussage oder der Gedankengang nicht wortwörtlich, sondern nur dem Sinn nach wiedergegeben. Die Herausforderung beim indirekten Zitieren liegt darin, den Textinhalt eines Autors durch eigene Worte in den eigenen erstellten Kontext zu integrieren, ohne der Aussage damit einen anderen (verfälschten) Sinn zu verleihen. Indirekte Zitate werden in der Quellenangabe durch das vorangestellte Wort ‚vgl.‘ für ‚vergleiche‘ oder gegebenenfalls auch durch ‚in Anlehnung an‘ gekennzeichnet. Die nachstehende Übung hilft dabei, die Position eines Autors sinngemäß wiederzugeben und die Kernaussage herauszukristallisieren, ohne das Gemeinte zu verfälschen.

Umsetzung 
Markieren Sie beim Lesen der Literatur Textstellen, die Sie für Ihre eigene wissenschaftliche Arbeit verwenden möchten. Handelt es sich um lange und komplexe Textpassagen, die Sie übernehmen möchten, so skizzieren Sie den schematischen Aufbau des Textes. Dies hilft Ihnen dabei, einen Überblick über die Kernaussagen des Textes zu behalten. Machen Sie sich anschließend die Bedeutung der in dem Text verwendeten Kernbegriffe bewusst und prüfen Sie, ob diese gegebenenfalls von Ihrem Begriffsverständnis abweichen. Um ausreichenden Abstand zu der Formulierung des zu zitierenden Autors zu gewinnen, legen Sie nun die gelesene Literatur beiseite und geben Sie die Kernaussagen des Textes mit eigenen Worten wieder.

Schritt 8 von 8:
Texte überarbeiten und redigieren

Selbstverständlich muss ein wissenschaftlicher Text sachlich, präzise und verständlich formuliert sein. Der Sprachstil darf nicht vom Inhalt ablenken, zumindest nicht im negativen Sinne; der Stil muss daher entsprechend neutral sein. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass der Leser den Inhalt im Sinne des Autors interpretieren kann. Hierzu ist es erforderlich, dass jegliche Gedankengänge – unter Berücksichtigung der begrenzten Informationsverarbeitungs-kapazität des Lesers – vollständig und nachvollziehbar ausformuliert, Zusammenhänge aufgezeigt und Fachbegriffe dem Leser verständlich gemacht werden. Weiterhin ist darauf zu achten, dass der Gebrauch von Umgangssprache oder komplizierten Satzverschachtelungen sowie Grammatik-, Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler vermieden werden. Die untenstehende Checkliste liefert eine Orientierung zur Überarbeitung des Stils einer wissenschaftlichen Arbeit.

Umsetzung
Lesen Sie Ihren Text konzentriert durch und überprüfen Sie ihn dabei auf die folgenden Punkte:

• Haben Sie komplizierte und lang verschachtelte Sätze vermieden?
• Sind Ihre Sätze verständlich formuliert?
• Sind Ihre Sätze auf das Wesentliche reduziert?
• Haben Sie Wiederholungen vermieden?
• Können Sie Ihre Aussagen durch das Einfügen von passenden Attributen präzisieren?
• Können Sie bestimmte Sachverhalte durch Fachbegriffe klar abgrenzen, um so unnötige Umschreibungen zu vermeiden?
• Hat jeder Textabschnitt eine Kernaussage?
• Sind Ihre Sachbezüge beziehungsweise Satzlogiken nachvollziehbar?
• Ist Ihr Text sachlich formuliert?
• Haben Sie sämtliche zentrale Begriffe und Fachausdrücke bei Ihrer ersten Nennung definiert?
• Haben Sie Ihren Text auf Widersprüche geprüft?

Anmerkungen:

978-3-658-10706-2_Cover_1.indd1 Adaptiert nach Kollmann/Kuckertz/Stöckmann, Das 1 x 1 des Wissenschaftlichen Arbeitens. Von der Idee bis zur Abgabe. 2016. Mit freundlicher Genehmigung von © Springer Gabler 2016. Online verfügbar unter http://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-10707-9. All Rights Reserved.

Autoren:

  • Univ.-Prof. Dr. Andreas Kuckertz

    Univ.-Prof. Dr. Andreas Kuckertz leitet das Fachgebiet Unternehmensgründungen und Unternehmertum (Entrepreneurship) an der Universität Hohenheim und ist stellvertretender geschäftsführender Direktor des Instituts für Marketing & Management. Foto: Felix Pilz/Universität Hohenheim